L'Eau-xikon: Zypresse


Wer schon einmal einen Zypressenzweig zwischen seinen Händen verrieben und danach an seiner Haut gerochen hat, weiss um das Wunder der Zypresse. Manchmal riecht man sie schon, wenn man nur an ihnen vorbeiläuft, so reich an ätherischem Öl sind sie. Wie riesige Zeigefinger stehen sie da, die zum Himmel weisen, wie vertikale, minimalistische Architektur, ohne ausladende Äste, ganz bescheiden und ruhig. Ohne Zypressen können wir uns die Toskana gar nicht vorstellen, der Ort, wo auch die längste Zypressenallee der Welt steht. Der immergrüne Baum ist Sinnbild für ein Leben nach dem Tode und ziert so manchen Friedhof in Südeuropa. Zum Glück assoziieren wir mit diesem Baum aber keine Friedhofsatmosphäre und Trauer, sondern herrliche Ferien bei unseren südlichen Nachbarn, die für alles eine temperamentvolle Geste zu haben scheinen. In der Antike wurde das harte, haltbare Zypressenholz auch als Bauholz verwendet, so zum Beispiel für Dachsparren, Balken, Tische, Musikinstrumente und Weinpressen. Es war so wertvoll, dass eine Zypressenplantage als zureichende Mitgift (Heiratsgut) galt.

Die Phönizier brachten die Zypresse aus Asien ans Mittelmeer, von wo aus sie sich in Europa verbreitete. Zypressenarten gibt es wie Sand am Meer, doch zur Herstellung des Öls werden nur einige Arten verwendet: Cupressus sempervirens, Cupressus arizonica, Cupressus funebris, Cupressus japonica, Cupressus obtusa sowie Cupressus pyramidalis. In der Parfümerie wird hauptsächlich auf Cupressus sempervirens zurück gegriffen. Parfümeure bedienen sich unterschiedlicher Extrakte, solcher, die durch Wasserdampfdestillation der Rinde oder der Äste hergestellt werden, oder von Absolues, die durch Ethanol extrahierten Extrakte. Schon nur 100 kg Pflanzenmaterial reichen, um 1 kg ätherisches Öl herzustellen. Bereits die Griechen konnten Zypressenöl herstellen. In der Antike wurde es als Heilmittel eingesetzt. Kranke Leute wurden in Zypressenwälder gekarrt, damit sie den intensiven Duft der Bäume einatmen konnten. Noch heute glauben Menschen an die heilende Wirkung der Zypresse, dies wohl auch zurecht. Es ist nicht überraschend, dass Zypressenöl auch in der modernen Aromatherapie Verwendung findet. Wer sich selber therapieren möchte, kann sich einen Zypressentee machen. Dazu übergiesst man für eine Tasse 1 Teelöffel Zypressen-Zweige mit kochendem Wasser und lässt ihn 10 Minuten ziehen. Dies hilft auch bei Erkrankungen der Atemwege, z.B. bei Husten.

In der Duftpyramide ist Zypressenöl als Kopfnote einzuordnen, jedoch wirken einige Bestandteile in die Herznote hinein, da Holzextrakte auch immer schwer volatile Komponenten aufweisen. Ein wichtiger Bestandteil des Öls ist Alpha-Pinen, das einen Anteil von bis zu 50 % erreichen kann. Alpha-Pinen ist verantwortlich für die auffrischende Kopfnote des Zypressenöls und kommt in ganz vielen ätherischen Ölen vor, in erheblichen Anteilen in Extrakten von Eukalyptus, Wacholder, Tanne und Zistrose.

Zur Veranschaulichung wie ein ätherisches Öl chemisch aufgebaut ist, haben wir über die molekulare Zusammensetzung des Zypressenöls nachgeforscht und sind fündig geworden. In untenstehender Tabelle können Sie den Molekülnamen sowie den prozentualen Anteil der Moleküle am ätherischen Öl ablesen.