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L’Eau-xikon: Neroli

Woher rührt der Begriff Neroli? Seit wann wird es in Europa verwendet? Was sind die Heilwirkungen des ätherischen Öls? Tauchen Sie in die Welt der Orangenblüte ein.

Wenn der Orangenbaum seine orange leuchtenden Früchte präsentiert – man könnte meinen, sie enthielten die Sonne des Südens – , dann blühen auch die Blüten des Zitrusbaumes und lassen den herrlichen Weissblütenduft durch die Haine ziehen, der uns als orange blossom, Orangenblütenduft oder auch Neroli bekannt ist. Namensgebend für letzteren ist Prinzessin Marie-Anne de la Trémoille, welche den Geruch des olfaktorischen Blütenwunders im 17. Jh. im Hof einführte, indem sie angeblich ihre Handschuhe, das Briefpapier und ihr luxuriöses Bad damit parfümierte. Das Beduften von Lederhandschuhen wurde anno dazumal Mode, nachdem Pioniere in Grasse, damals noch ein hauptsächlich Lederwaren produzierendes Dörfchen, damit anfingen, Lederwaren für die Adelsschicht mit duftenden Ölmixturen zu veredeln. Aus diesem Trend entstanden darauf erst die europäischen Parfums. Zuvor gab es nämlich noch gar keine Duftwässer in der Form wie wir sie heute kennen. Die Prinzessin, Trendsetterin und Diplomatin Marie-Anne de la Trémoille, ohne Influencer-Instagram-Account, schaffte es trotzdem, das teure Neroliöl unter den edlen Damen und Herren zu verbreiten. Sie war es, die den Duft Neroli taufte, die Stadt Nerola ehrend, welche sich 50 km von Rom entfernt befindet.

Das Neroliöl stammt von der Bitterorange/Pomeranze (Citrus x aurantium L.), welche orangenähnliche Früchte produziert, die aber kleiner und bitterer sind. Man geht davon aus, dass die Zitruspflanze als Hybride zwischen Pampelmuse (Citrus maxima) und der Mandarine (Citrus reticulata) hervorgegangen ist. Die lateinische Endung Aurantium nimmt Bezug auf das Wort Aurum, was so viel wie Gold bedeutet und poetisch gesehen zur Farbe der Frucht passt.

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Man vermutet die Ursprünge dieser Art in den südlichen, tropischen Gebieten des Himalayas (Nordost-Indien, Nordburma) und in den warmen Gebirgsregionen Südwest-Chinas. Obwohl der Bitterorangenbaum seit über 4000 Jahren kultiviert wird, fand er erst im 11. Jh. den Weg nach Italien und Spanien (diese übernahmen die Bezeichnung Orange von den Arabern). Im Vergleich verbreiteten sich die süssen Orangen erst im 15. Jh. in Europa. Die Pomeranzen gelangten später dann auch nach Curaçao (ein autonomes Land innerhalb der Niederlande, Karibik), wo aus ihnen die geschätzten Curaçao-Liköre entstanden, welche auch als Triple Sec bekannt sind und ihren Geruch durch die Bitterorange erhalten (z.B. Cointreau).

Heutzutage wird die Bitterorange in Tunesien, Marokko, Algerien, Ägypten, Spanien, Sizilien und in Südfrankreich angebaut (in der Schweiz können diese Citrusbäume leider nur in Kübeln gehalten werden, da sie zur Überwinterung Temperaturen oberhalb des Gefrierpunktes benötigen).

Parfums mit Neroli

Parfumerie Générale
19.1 - Neroli ad Astra
Frédéric Malle
Cologne Bigarade
NICOLAÏ 
Cap Néroli

Das Neroliöl wird durch Wasserdampfdestillation der Blüten gewonnen, welche nur von Hand gepflückt werden können (eine Tonne Blüten liefern etwa 1 Kg reinstes Öl). Im Grosshandel ist günstiges Neroliöl ab ca. CHF 5400 pro Liter erhältlich, was es zu einer sehr teuren Ingredienz für Parfums und Pflegemittel macht. Bei der Destillation entsteht als Nebenprodukt auch das Orangenblütenwasser (ein sogenanntes Hydrolat), welches in der Nordafrikanischen Küche, wie auch das Rosenwasser, in gewissen Gerichten Verwendung findet. Natürlich kann das Öl auch mit organischen Lösungsmittel wie z.B. Hexan extrahiert werden, was sich aber auch auf den Geruch des Extraktes niederschlägt, da Hexan im Vergleich zu Wasser ein anderes Kollektiv von Molekülen in einem zu Wasser unterschiedlichen Mengenverhältnis den Blüten entzieht. Den Parfumeuren stehen deshalb unterschiedlich extrahierte, verschiedenartig riechende Naturprodukte zur Verfügung.
Nebst den Blüten werden auch die Fruchtschalen zur Bitterorangenölgewinnung verwendet, welches  sich geruchlich von Neroli unterscheidet und als typischer Inhaltsstoff der klassischen Eau de Cologne gilt. Nebst Neroli und dem durch die Fruchtschale gewonnenen Bitterorangenöl liefert die Pomeranze auch das Petitgrain-Bigarade-Öl, welches durch die Wasserdampfdestillation der Blätter und Zweige des Baumes entsteht.

Wegen des hohen Preises wird Neroli nur in den Luxusparfums verwendet, wie sie z.B. in der Parfumerie Osswald zu finden sind. Für Parfums im niedrigeren Preissegment wird auf Neroli verzichtet, oder es werden synthetische Nachahmungen verwendet, welche aber bei weitem nicht an die Komplexität des Naturproduktes herankommen. Natürliches ätherisches Öl besteht zu ca. 35 % aus Terpenen und zu 30 % aus Terpenolen (die übrigen 35 % aus den unterschiedlichsten Molekülen). Was in einem synthetischen Duftimitat nicht fehlen darf ist Linalool (ein Terpenol), welches in allen Citrusarten vorkommt.

In der Duftpyramide ist Neroli als Kopfnote anzusiedeln, die aber auch ein bisschen in die Herznotenregion geht. Im Unterschied zu den anderen Citrusnoten (z.B. Bergamotte, Mandarine oder Limette), ist das Orangenblütenöl weniger flüchtig und bleibt somit länger auf der Haut sitzen. Neroli duftet süss, lieblich, zart und blumig. Es lässt sich gut mit Zitrone, Rose, Jasmin, Lavendel, Sandelholz oder Zedernholz mischen. Wenn sie sich ein hochwertiges Bad gönnen möchten, dann Mischen sie Neroli mit Sandelholz, welches in der indischen Naturheilkunde als Wundermittel für die Haut gilt.

In der Aromatherapie spielt die Orangenblüte auch eine wichtige Rolle. Der Duft hilft bei Angst, Depression und Schockzuständen. Zusätzlich wirkt das Odeur entkrampfend und entspannend. Ein paar Tropfen des kostbaren Neroliöls auf ein Taschentuch geträufelt und schon hat man ein mobiles Naturheilmittel. Natürlich kann man das ätherische Öl auch in eine Duftlampe geben oder gleich direkt in die Badewanne tröpfeln.

Angeblich stimuliert das Öl auch das Wachstum neuer Hautzellen und unterstützt somit die Regeneration der Haut. Als bekanntes Schönheitsöl wird es in Pflegeprodukten zur Behandlung von Falten, Narben und Schwangerschaftsstreifen verwendet.